Filmkultur NRW sieht Handlungsbedarf bei der Digitalisierung

Das Netzwerk Filmkultur NRW untersucht die Auswirkungen der Digitalisierung auf filmkulturelle Einrichtungen

„Mit Ablauf des Jahres 2013 wird in Nordrhein-Westfalen und in großen Teilen des restlichen Bundesgebietes mit den Lichtspielhäusern das letzte Glied der Filmgestaltungs- und Verwertungskette zu 100% digitalisiert sein. Damit findet ein Transformationsprozess sein vorläufiges Ende, der in den 70ern mit ersten digitalen Bildbearbeitungen sehr zögerlich begann, um dann ab der Jahrtausendwende sich äußerst rasant zu vollziehen.“

Ein Zitat aus dem aktuellen Gutachten des Netzwerks Filmkultur NRW, das die Auswirkungen dieses Digitalisierungsprozesses auf die Arbeit der filmkulturellen Einrichtungen des Landes untersucht. Unter dem Titel „Filmkultur 2.0“ kommt das Papier zu dem Schluss, dass diese Institutionen angesichts fortschreitender Veränderungen durch die Digitalisierung unter enormem Handlungsdruck stehen.

Abspiel, Verleih und Produktionsförderung von Filmen, Bildungsarbeit und die Bewahrung des Filmerbes NRW gehören zu den Leistungen der Filmfestivals, Filmhäuser und -werkstätten sowie anderen filmkulturellen Initiativen in NRW. In allen Bereichen stellt die Digitalisierung diese Institutionen vor neue Aufgaben, die teils hohe Investitionen verlangen.

Aus eigener Kraft seien für die nichtkommerziell arbeitenden Initiativen viele der für die Fortführung ihrer Arbeit notwendigen Maßnahmen nicht umsetzbar. Es bedürfe einer landesweiten „Exzellenzinitiative für die Filmkultur“, um Einrichtungen wie Filmfestivals, Filmhäusern und -werkstätten sowie den zahlreichen freien filmkulturellen Initiativen den Anschluss an das digitalisierte Umfeld zu ermöglichen.

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, haben die Autoren des Gutachtens, Volker Köster und Oliver Baumgarten, zahlreiche filmkulturelle Einrichtungen des Landes evaluiert. Die rasanten digitalen Entwicklungen, auf die die zumeist niedrig budgetierten Einrichtungen kaum adäquat reagieren können, führen schon jetzt zu deutlichen Defiziten in den Bereichen Abspiel, Produktion, Archivierung und Kommunikation. Durch die digitale Formatvielfalt von Filmen müssen die Organisatoren von Filmfestivals beispielsweise heute Aufgaben schultern, die einst Kopierwerke und Kinos beschäftigten. Im wichtigen Bereich der Filmbildung, auf den sich ein großer Teil filmkultureller Arbeit konzentriert, fehlen laut Gutachten bereits jetzt Mittel und Möglichkeiten, um die Zielgruppe überhaupt über die entsprechenden digitalen Kanäle in professioneller und ansprechender Weise zu erreichen. Im Bereich Archivierung fehlt es an Mitteln, zum Beispiel das Filmerbe des Landes NRW adäquat zu erhalten, geschweige denn weiter zugänglich zu machen.

Als unabhängige Programmkinos unter ähnlichem Anpassungsdruck standen, konnten sie dank gezielter Förderung – zumindest in NRW – weitestgehend komplett digitalisiert werden (bis Ende 2013). „Filmkultur 2.0“ schlägt eine ähnlich konzertierte Exzellenzinitiative für die Filmfestivals, Filmhäuser und zahlreichen freien filmkulturellen Initiativen in NRW vor.

„Eine exzellente Studie zur notwendigen digitalen Exzellenzinitiative“, so Werner Ruzicka, Leiter der Duisburger Dokumentarfilmwoche.

Das Netzwerk Filmkultur NRW ist eine Interessengemeinschaft aus Institutionen und Initiativen aus Nordrhein-Westfalen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven der filmkulturellen Arbeit widmen. Unterstützt werden sie dabei durch das Land Nordrhein-Westfalen. Mitglieder des Netzwerkes sind: dfi – dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW, doxs! – dokumentarfilme für kinder und jugendliche, Duisburger Filmwoche, Filmhaus Bielefeld e.V., filmothek der jugend nrw e.V., Filmwerkstatt Düsseldorf e.V., Filmwerkstatt Münster, IFFF Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, KINOaktiv – ein Zusammenschluss der freien Filmkulturszene in Köln, Klack Zwo B e.V. / blicke filmfestival des ruhrgebiets.

Download: Arbeitspapier Filmkultur 2.0 (PDF)

Die Autoren

Oliver Baumgartens

Sein regelmäßiger Arbeitsbereich umfasst sowohl die konkrete filmkulturelle Arbeit als auch den fachkundlichen Filmjournalismus.

Volker Köster

Er hat an der FH Dortmund Film studiert, arbeitet als freier Filmemacher und Medienpädagoge. Bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und der Duisburger Filmwoche ist er technischer Leiter.